70 Jahre dpa – Festakt in Berlin | #dpa70

janvier 23, 2022
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70 Jahre dpa – Festakt in Berlin | #dpa70

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat objektiven und unabhängigen Medien eine tragende Rolle für das Gelingen der Demokratie beigemessen und Attacken auf Journalisten scharf verurteilt. «Die Demokratie braucht den Journalismus», sagte er in Berlin beim Festakt zum 70-jährigen Bestehen der Deutschen Presse-Agentur. «Die Demokratie ist im Fegefeuer der News und Fake News mehr denn je auf verlässliche Quellen angewiesen, auf eine Gewichtung und vor allen Dingen Einordnung von Nachrichten.»

Steinmeier rief die Politik zu einem sorgfältigen Umgang mit Twitter auf. Das «minütliche Absetzen von Tweets» habe die Qualität der Politik nicht gesteigert. «Ich würde es jedenfalls begrüßen, wenn auch künftig Zölle nicht via Twitter erhöht und Kriege nicht per Twitter ausgelöst werden – möglichst beides überhaupt nicht.»

Die Nachrichtenagentur dpa war am 18. August 1949 gegründet worden. Sie versorgt als Marktführer in Deutschland tagesaktuelle Medien aus dem In- und Ausland, Unternehmen, Parteien, NGOs und Behörden mit redaktionellen Angeboten. An mehr als 160 Standorten im In- und Ausland arbeiten rund 1000 Journalisten. Sie berichten auf Deutsch, Englisch, Spanisch und Arabisch. Gesellschafter der dpa sind 180 deutsche Medienunternehmen.

Der Bundespräsident betonte, der dpa-Grundsatz der Objektivität und Unabhängigkeit in der Berichterstattung gehöre wie die Pressefreiheit selbst zu den «wirklichen Gründungsversprechen» der Bundesrepublik. «Wenn wir heute, sieben Jahrzehnte nach Inkrafttreten des Grundgesetzes und der Gründung der dpa, nach den Gründen für das Gelingen dieses demokratischen Weges trotz der erlebten Abgründe der Diktatur fragen, dann ist eben die Deutsche Presse-Agentur ein Teil der Antwort», sagte Steinmeier. «Sie hat viel zum Gelingen dieser Demokratie beigetragen. Dafür gebührt ihr unser Dank, und auch der Dank des Bundespräsidenten.»

Die Nachrichtenagentur liefere seit 70 Jahren verlässliche und vertrauenswürdige Nachrichten. «Sie sind der Grundstoff jeder Parlamentsdebatte und der Grundstoff jedes Artikels der geschrieben wird. Fakten sind Fakten, wenn sie von dpa gemeldet werden. Und sind sie es einmal nicht, dann werden sie, auch das habe ich erlebt, umgehend korrigiert», sagte der Bundespräsident.

ZDF-Chefredakteur Peter Frey rief in einer Diskussionsrunde zum Thema «Pressefreiheit in Gefahr? Demokratie in Gefahr?» die Medien dazu auf, ungeachtet zunehmender Anfeindungen und Übergriffe die Auseinandersetzung zu führen. «Wir dürfen uns nicht in die Defensive drängen lassen», sagte er. «Guter Journalismus braucht auch Selbstbewusstsein.»

Auf die Frage nach den größten Gefahren für die Pressefreiheit heute nannte der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm die «Auszehrung der wirtschaftlichen Grundlagen», die «Polarisierung» der Gesellschaft sowie das «Tempo der Veränderungen», die man zum Guten nutzen müsse. Frey sagte: «Die größte Gefahr lauert in unseren eigenen Köpfen durch Angepasstheit, Einschüchterung, Defensive und Zukunftsverdruss.» Davon sollte man sich nicht erfassen lassen. «Journalismus ist und bleibt ein großartiger Beruf.»

Der Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger, Mathias Döpfner, zeigte sich über die «totale Relativierung von Fakten» besorgt. «Es haben immer mehr Menschen ihre eigenen Fakten. Oder es werden Fakten von immer mehr Menschen schlicht bestritten.» Wie aber sollten demokratische Prozesse ohne gemeinsame Faktengrundlage noch funktionieren? Man müsse darüber reden, wie man die Glaubwürdigkeit von fakten-basierten Institutionen wie die dpa stärken könne. Döpfner sah eine Erosion der Institutionen in Politik wie Medien. «Wir feiern heute den 70. Geburtstag der dpa. Wir wissen alle, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, dass wir den 100. noch feiern können.»

Die Berliner Büroleiterin der «New York Times», Katrin Bennhold, warnte: «Meiner Meinung nach haben wir ein Demokratieproblem. Meiner Meinung nach sind unsere liberale Demokratien im Moment nicht handlungsfähig genug (…) und nicht repräsentativ genug.» Damit gebe es ein Glaubwürdigkeitsproblem, das zu einer Vertrauenskrise führe, die auch die Presse betreffe.

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